Scratch My Back Review: Fazit
Kaum ein Album von Peter Gabriel hat wohl die Hörer derartig gespalten wie Scratch My Back. Das ist interessant, da ein umstrittenes Werk allemal besser ist, als eine lauwarme Mittelnummer.
Kaum ein Album von Peter Gabriel hat wohl die Hörer derartig gespalten wie Scratch My Back. Das ist interessant, da ein umstrittenes Werk allemal besser ist, als eine lauwarme Mittelnummer.
Im Zusammenhang mit Scratch My Back haben wir einige Aspekte noch gar nicht werwähnt.
Der Vollständigkeit halber sei zunächst das Artwork erwähnt. Über das iconographische Frontbild der beiden Blutkörperchen ist ja schon viel diskutiert und spekuliert worden. Es bleibt auch weiterhin warm und rätselhaft. Der Rest des Booklets ist ebenfalls in Schwarz und Rot gehalten. Es enthält leider zu viele (beinahe) leere Seiten, einen ganz interessanten Aufsatz von PG zum Projekt, insgesamt vier Seiten Credits, bizarre Detailaufnahmen organischer Strukturen und ein sehr schönes Foto von Gabriel aus der Promo-Serie, in der das Thema “cover” auch bildlich umgesetzt wurde.
Mit Street Spirit (Fade Out) hat sich Peter den radikalsten, ungewöhnlichsten und anspruchvollsten Track von Scratch My Back für den Schluss aufgehoben. Schon das Original von Radiohead aus dem Album The Bends (1995) ist keine leichte Kost. Peter setzt noch einen drauf.
Den Song Philadelphia hat Neil Young 1994 für den Soundtrack des gleichnamigen Films geschrieben (zu dem Gabriel Lovetown beitrug). Die Originalversion präsentiert sich mit unwirklichem Gesang in Kopfstimme und schlichter Begleitung, hauptsächlich vom Klavier.
Gabriels Version wirkt anders. Zu Beginn schmeicheln dunkle Cello- und Basstöne, werden zur ersten Strophe von warmen Blechbläsern abgelöst. Das wirkt erhaben und feierlich – aber auch ein bisschen irdischer. Wäre da nicht im Intro der absonderliche Falsettgesang, den Gabriel über alles legt. Dadurch wird etwas sphärisches eingeführt, das mit dem Inhalt des Textes verbindet, und auch im Einklang mit dem Original steht.
Nach den beiden vorangegangenen ruhigen Nummern, schockiert uns Peter zum Auftakt von Après Moi erst ein mal mit einem schrillen Bläserfortissimo. Alarm.
Wir wissen gleich von Beginn an, dass wir es hier mit einem exaltierten Stück zu tun haben. Schon Regina Spektors Original aus dem Jahr 2006 von dem Album Begin To Hope weist eine Leidenschaftlichkeit auf, die sich aus einer osteuropäisch anmutendenen Mischung aus tragischem Leiden und Aufbegehren nährt.
Als nächstes steht I Think it’s Going To Rain Today (1968) von Randy Newman auf der Trackliste. Dieses Stück ist mit zweieinhalb Minuten das kürzeste auf dem Album, und damit ähnlich knapp wie das Original.
Es stellt vom Charakter her eine ähnlich impressionistische Momentaufnahme wie Flume dar. Seine Auswahl überrascht aber auf eine gewisse Weise. Schon das Original weist ausschließlich Piano- und Orchesterbegleitung auf. Was will Peter da noch anders machen?