Scratch My Back Review: Vorwort
Die heiße Zeit vor dem Release von Scratch My Back bricht an und wir wollen euch beginnend mit diesem Beitrag die Wartezeit etwas versüßen. In den nächsten Tagen und Wochen werden hier alle Songs des neuen Albums Stück für Stück besprochen. Auf eure Teilnahme in Form von regen Diskussionen in den Kommentaren freuen wir uns schon jetzt. Denn eines zeichnet sich bereits ab: an Scratch My Back werden sich die Geister scheiden…
Vorwort
Peter Gabriels neuestes Werk Scratch My Back ist eine Zusammenstellung von zwölf Popsongs anderer Musiker aus den Jahren 1968 bis 2008, die er neu eingespielt hat. Alle wurden arrangiert für ausschließlich klassisches Orchester, ergänzt um Klavier. No Drums, no Guitars.
Bei vielen sorgte diese Ankündigung für Irritierung. Und nach dem Hören etlicher Vorabveröffentlichungen, gab es viele ablehnende Meinungen. Das ging von “träge” über “langweilig” bis “PG auf Valium” (einer schrieb irgendwo sogar, dass so sterbende Wale singen – naja).
Nun, Gabriels Idee ist in der Tat eigenwillig. Statt eigene Neukompositionen herauszubringen, interpretiert er auf eine (auch für ihn) völlig ungewohnte Art, Werke anderer Künstler. Er geht das zudem tiefgründig und besessen an. Die Ergebnisse sind herausfordernd.
Für mich war Gabriel immer schon ein Künstler, der nur eher zufällig seine Kunst im Bereich der Popmusik betreibt. Und nach den eher etwas gewerblichen Arbeiten der letzten Zeit, liegt mit Scratch My Back tatsächlich wieder mal etwas entschiedenes vor. Wenn PG macht, wonach ihm der Sinn steht, kommt meist etwas Gutes bei raus. So auch hier.
Aber: dieses neue Werk ist tatsächlich nichts, was man mal so zwischendurch hört. Eher schon an einem gemütlichen Abend auf der Couch mit einem Gläschen Rotwein oder etwas Bitterschokolade. Es hat jedoch endlich wieder die eigensinnige Konsequenz, die Peters zentrale Qualität darstellt.
Gabriel ging es nicht darum, Popsongs in leicht konsumierbare Klassik-Stückchen zu verwandeln, wo die E-Gitarren mit Geigen nachgespielt werden (wie es das in den 80ern von diversen Symphonic-Projects gab). Er versuchte für jedes Stück eine in sich geschlossene, dem Sinn des Songs nach konsequente Interpretation zu finden. Um seine Ideen zu erfassen, braucht man Muße. Doch dann erschließen sich einem gewohnt gabrielische Emotionslandschaften.
Klar, dass es sich dabei eher um nachdenkliches, zerknirschtes oder zerbrechliches handelt (wir befinden uns ja in der Welt von Peter Gabriel) – aber niemals verlässt er den Pfad der Zuversicht. Dabei sind die Mittel oft subtil.
Der nächste Beitrag wird sich dem Opener auf Scratch My Back widmen: David Bowies “Heroes”.
Die Kommentare per RSS-Feed verfolgen oder einen Trackback senden.






bbqmaster
Wie ich finde, zeigen die Podcast-Snippets, dass PG auf diesem Album seine Stimme dem Orchester – ich schreibe mal – gegenüberstellt. Diese unterschiedlichen Emotionen in seinem Gesang bei den einzelnen Tracks haben mir schon bei den Snippets eiskalte Schauer über den Rücken gejagt. Das war bei “Up” z.B. nicht so. Erst über die Jahre haben sich nur “Signal To Noise” und “Sky Blue” für mich zu dem entwickelt, was PG bei der Ansage zu dem letztgenannten Song auf der “Growing Up Live”-DVD sagt. Alle anderen Songs sind stimmlich zwar immer noch große Klasse (und ich finde sie auch alle sehr gut!), aber dieser starke, fast schon extreme Gefühlsausdruck kommt bei den anderen Stücken nur selten durch (z.B. bei “Darkness” oder “The Drop”, gewissermaßen auch bei “No Way Out”).
Ich hatte anfangs auch meine (geringen) Zweifel, aber nun bin ich der Überzeugung, mit SMB etwas ganz Großes, ich glaube sogar, das Album des Jahres erwarten zu können.
Anonymous
[...] poste auch in diesem Thread den Kommentar, den ich hier geschrieben habe: Wie ich finde, zeigen die Podcast-Snippets, dass PG auf diesem Album seine [...]
Marcel
Mir geht es ganz ähnlich, siehe mein neuester Beitrag Scratch My Back: Ein Tagebuch.