Peter Gabriel - Scratch My Back
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11. März 2010

Scratch My Back Review: Street Spirit (Fade Out)

Peter Gabriel Scratch My BackMit Street Spirit (Fade Out) hat sich Peter den radikalsten, ungewöhnlichsten und anspruchvollsten Track von Scratch My Back für den Schluss aufgehoben. Schon das Original von Radiohead aus dem Album The Bends (1995) ist keine leichte Kost. Peter setzt noch einen drauf.

Atonale Tonfolgen vom Klavier in einer Aufwärtslinie bilden die Grundbegleitung. Eine Harmonie ist nicht auszumachen – man bleibt orientierungslos. Peter singt, oder vielmehr spricht den Text darüber – in sehr düsterer Stimmung. Die Worte haben etwas desolates – die ganze Atmosphäre dementsprechend auch.

Das “blende wieder aus” kommt mit hoher, extrem dünner und brüchiger Stimme. Auch im Weiteren lässt Peter zu, dass sie ihm immer wieder wegkippt, quasi ausblendet. Das ist ein Stilmittel, das ‘man’ normalerweise nicht benutzt. Die Radikalität dessen ist bemerkenswert – verwirrt aber auch.

Überhaupt ist der Umgang mit der Stimme im ganzen Song eher extrem. Sie ist leicht verfremded, klingt irgendwie blechern, der Gesangsduktus hat etwas erschöpftes, ermüdetes.

Nach dem ersten Refrain gesellt sich das Orchester dann hinzu, ergänzt zurückhaltend, indem es unter die Grundbegleitung dürre, aber trotzdem vehemente Streicherlinien legt. Im weiteren Verlauf werden sie entschiedener, geben einen immer tragischeren, fatalistischeren Ton vor.

Zum Ende hin, nimmt das Stück eine leichte Wendung. Eine Coda bildet den Abschluss, in der sowohl Tonart als auch Grundrhythmus wechseln und dadurch beinahe etwas Zuversichtliches geben könnten. Doch der Song verklingt schließlich in einer neuerlichen Aufwährtlinie der Klavierbegleitung. Gabriels Stimme folgt dem und zerbröckelt endgültig. Ohne jede weitere Abschlussphrase bleibt das Stück damit offen, unabgeschlossen, unbefriedigend.

Das ist ein riskanter Abschluss für das Album. Zudem nährt Gabriels unübliche Gesangsdarbietung den Boden für Kritik. Doch ohne das, wäre die Interpretation gewöhnlicher, beinahe belanglos. Die verbleichende Wirkung ginge verloren.

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5 Kommentare

  • 1

    bbqmaster

    Das Stück ist schwierig und braucht viel Zeit. Die Atmosphäre, die vermittelt wird, ist dennoch bemerkenswert.

    11. März 2010, 17:06 Uhr
  • 2

    Gion Stump

    Komisch… mochte diesen Song anfangs nicht… Mittlerweile gehört er zu meinen ganz grossen Favoriten auf Scratch my Back! Ich habe noch selten einen solche verstörenden Song gehört!! Diese Atmosphäre ist einzigartig und sie berührt mich wirklich jedes Mal!

    11. März 2010, 21:18 Uhr
  • 3

    Ute

    Mir geht’s so ähnlich wie Gion Stump.
    Könnte zwar nicht sagen, dass ich den Song gar nicht mochte, aber ich fand das Hören unangenehm, vielleicht im Sinn von erschütternd.

    Inzwischen ist partiell das genaue Gegenteil eingetreten. Irgendwie höre ich ihn manchmal richtig gerne direkt nach der Arbeit. Da muss ich stundenlang meine Hirnmasse in den Dienst anderer Leute stellen und fühle mich danach oft erschöpft und ausgelaugt, würde am liebsten das Denken einfach für’ne Weile einstellen. (Etwa nach ‘ner 3/4 Stunde, bis ich zu Hause bin, ist dann meistens wieder alles im Lot.) Wenn ich in dieser Stimmung den Song höre, verströmt er in mir eine unglaubliche Ruhe, in die ich einfach versinken kann. (“The Boy In The Bubble” hat dann einen ähnlichen Effekt, nur weitaus weniger stark.) Bei der Zeile “be a world child from a circle…” fühle ich dann so richtig wie das Leben in mich zurückströmt und die Erschöpfung von mir abfällt. Das ist echt cool.

    Irgendwie ist er auch das absolute Gegenstück zu richtig harter, aggressiver Musik, erinnert mich sogar in der Atmosphäre an Sachen von “Nirvana”.

    Trotzdem kein Song für jede Lebenslage, am Ende der Scheibe mit Sicherheit am besten aufgehöben, nicht zuletzt, weil SMB manchmal einfach genau nach dem 11. Song enden sollte.

    11. März 2010, 23:01 Uhr
  • 4

    cimber

    “Street Spirit” ist musikalisch ein Cousin von “The Drop” und “My Head Sounds Like That” – es hat diese ähnliche leicht verzerrt-verträumte und verstörte Atmosphäre. Das Minimalistische im Arrangement – das Piano, welches einsam vor sich dahinklimpert und die Streicher, die sich dezent zurückhalten und dennoch ein Gefühl von Wärme vermitteln, sind die starken Seiten in diesem Song. Das Original und sämtliche negativen Kommentare interessieren mich nicht – diejenigen, die den “Geist” dieses Songs erfaßt haben, seien gegrüßt.

    13. März 2010, 12:57 Uhr
  • 5

    Ute

    Ich stimme Dir vollkommen zu, cimber. Und die Paralellen zu den von Dir erwähnten Up-Songs ist mir so auch schon gekommen, nur dass ich “Street Spirits” irgendwie als eine Mischung von beiden sehe, in dem sich PG noch einen Schritt weiter nach Vorne, in’s Extreme traut.

    13. März 2010, 14:29 Uhr

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