Scratch My Back Review: I Think It’s Going To Rain Today
Als nächstes steht I Think it’s Going To Rain Today (1968) von Randy Newman auf der Trackliste. Dieses Stück ist mit zweieinhalb Minuten das kürzeste auf dem Album, und damit ähnlich knapp wie das Original.
Es stellt vom Charakter her eine ähnlich impressionistische Momentaufnahme wie Flume dar. Seine Auswahl überrascht aber auf eine gewisse Weise. Schon das Original weist ausschließlich Piano- und Orchesterbegleitung auf. Was will Peter da noch anders machen?
Zudem beginnt seine Version exakt genauso, wie Randys Fassung: mit denselben bedächtigen, akkordartigen Klängen vom Flügel – übrigens mit sehr ansprechendem Raumhall aufgenommen. Keine Neuinterpretation also – ganz zu schweigen von Unterschieden?
Die kommen zur zweiten Strophe und sind zugegeben subtil. Dort wo bei Newman Orchster einsetzt, bleibt bei Gabriel das Piano. Tatsächlich wird das ganze Stück ausschließlich von Klavier begleitet. Auch zum Mittelteil, “Einsam, einsam”, wo im Original Streicher schräge Harmonien hinzufügen, verläuft Peters Fassung anders. Statt Streichern eine vertrackte Tonfolge, die an Bartok erinnert.
Auch hier also wird sich konsequent auf die Atmosphäre konzentriert, die der Text transportieren will. Die triste Stimmung von Newmans Song – Gefühle von Einsamkeit, zerbrochener Freundschaft sogar – wird hier erreicht, indem man ein gespannt getragenes Tempo anschlägt und sich ganz auf eine zwar sinnliche, aber auch etwas intellektuelle Flügelbegleitung reduziert.
Darüber hinaus wird erneut der Leere eine große Bedeutung beigemessen. Wenn zum Schluss zum dritten Mal darüber sinniert wird, dass es vermutlich regnen wird, bleibt man genau so allein gelassen zurück, wir die verhärtet-traurige Figur, die im Song zu uns spricht.
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Ute
Tja, sieh’ einer an. Ich dachte, er spielt’s einfach nach. Aber ehrlich gesagt bin ich auch nicht so der Randy-Newman-Crack. Der Hall ist mir auch angenehm aufgefallen und ich finde die Melodie ganz hübsch. Gabriels Stimme ist für mich hier aber seltsam fremd, sogar unnatürlich. Ich glaube, ich habe ihn noch niergend’s so singen hören. Ich weiß nicht genau, was ich davon halten soll. Ich glaube, da kommt es sehr auf die aktuelle persönliche Stimmung an. Trotzdem fällt mir der Zugang z.B. zu Street Spirit leichter.
bbqmaster
Hier singt und klingt er fast wie Tom Waits. Auch wenn das Cover dem Original sehr ähnlich ist, gefällt mir das Stück.
cimber
Der Song mag kurz erscheinen auf der Playlist – beim Zuhören jedoch öffnet sich eine Welt vor einem – man sieht irgendwelche Szenen vor sich – New York City, bei Nacht, eine einsame Bar mit Blick auf die Straße, verregnete Autoscheiben – und irgendwo eine einsame Seele, die – verfallen in leichte Melancholie – das alles um sich herum abspielende auf sich einwirken läßt.
Der Song spaltet sich in 2 Teile auf – mir gefällt vor allem Teil 2 des Liedes mit der Passage “. . .think I kick it down the street” – (sofern ich es richtig rausgehört habe.)
Thomas
Interessant, cimber, ich sehe mehr eine einsame amerikanische Vorstadtkreuzung bei heißem Tageslicht, menschenleer…
“Think I’ll kick it down the street” heißt die Zeile, richtig
heinz
Verbeugung vor Randy Newman als Songwriter ist grundsätzlich okay, Gabriels Cover geht völlig in Ordnung, aber wenn ich es richtig gelesen habe, stand auch “Baltimore” zur Auswahl, das vielleicht mehr Songqualität eingebracht hätte – und für PG die Herausforderung, sich an einem Song zu versuchen, den schon viele andere gecovert haben (gar nicht mal so schlecht übrigens Nils Lofgren) – und dann schau ich noch mal unter wikipedia nach und sehe, dass ausgerechnet “I think…” zu den meistgecoverten Newman-Stücken überhaupt gehört…