Scratch My Back Review: Heroes
Wir beginnen unsere Rezensions-Reihe zu den Songs auf Scratch My Back mit dem Opener Heroes, welcher 1977 im Original von keinem geringeren als David Bowie gesungen wurde.
Der Gabriel-Version des Songs konnte ja bereits gehört werden und hat dabei für Verwunderung bis Ablehnung gesorgt. “Zu getragen, zu lahm” – so oder ähnlich waren die Meinungen. Als Eröffnung ist er aber gerade deswegen geeignet. Mit dieser Version stellt Peter quasi direkt ab Beginn klar, was einen erwartet: keine Nachorchestrierung der Originale, nein, Gabriel sucht seine ganz persönlichen Interpretationen, geht – wie in der Vergangenheit so oft – seine eigenen Weg. Im Falle von Heroes wäre es auch sicher albern, PG würde versuchen, die erotische Coolness eines David Bowie zu kopieren. Peter steht für warmen, empathischen Gesang.
Man hat sich entschieden, Heroes mit liegenden, dissonanten, obertönigen Streicherlinien zu beginnen. Angespannte Ruhe, nur akzentuiert von gezupften Baß-Tupfern. Peter beginn die ersten Worte mit brüchiger Zurückhaltung darüber zu singen. Gefaßte Erschöpfung. Diese Spannung setzt sich fort – weitere Streicherlinien umspielen mit gebremstem Schub die Grundharmonien.
Erst zur dritten Strophe schiebt sich zusätzlich eine bewegt-pulsierende Violinfigur hinzu, die dem Song zunehmend Fahrt gibt. Sie erhebt sich zur vierten Strophe zu einer maßvollen Steigerung, Peter singt die Zeilen vom Kuss an der Mauer laut und in hoher Stimmlage, um danach zurückzukehren zur Getragenheit. Die Streicher verlieren an Lautstärke und Fahrt – der Song verklingt rasch.
Insgesamt hat man das Gefühl, das sich eine große Anspannung nicht entläd, ein Drängen und Sehnen sich zeigt, aber dann doch versteckt bleibt. Das ist eine Qualität dieser Bearbeitung, der man sich aussetzten muss. Sie kündigt an, löst aber (noch) nicht ein. Sehr mutig von Peter, das wohl bekannteste Original des Albums nicht dazu zu benutzen, eine dem Erwartungsgeschmack angepaßte Version zu bieten. Die Subtilität ist bestechend.
Anfang der kommenden Woche geht es mit The Boy In The Bubble weiter.
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cimber
Ich finde insbesondere den letzten Absatz des zuvorigen Review sehr gut formuliert und gelungen.
Es steckt wirklich eine gewisse Spannung in dem ganzen Stück drin – aber es kommt zu keiner plötzlichen “Entladung” von Emotionen in dem Ausmaß, wie man es beispielweise von Tracks wie “San Jacinto”, “Signal To Noise” und “Rhythm of the Heat” gewohnt ist. Das muß hier nicht von Nachteil sein – im Gegenteil: Es macht Peter`s “Heroes” umso reizvoller.
bbqmaster
Ich finde, “Heroes” entlädt sich in dem Moment, wo Peter laut singt. Ich dachte zuerst, dass jetzt eine Gabrielese-Passage kommt, weil die Soundqualität des Streams doch eher bescheiden ist und man nicht alles deutlich hört.
Der Song ist jedoch ein Knaller!
ralu
hat man hier schon mal besprochen, dass es eine sratch-app für iphone gibt?
Marcel
Ja, ich habe das hier schon mal kurz angesprochen. Sobald dort erwähnenswertes stattfindet, gehen wir sicher auch mal näher drauf ein.
LIA+++
Also ich finde Heroes gelungen, anders, aber gelungen.
Da ich bei diesem Song das Original gut im Ohr habe, ist
der Vergleich interessant.
Sofern ein Vergleich möglich ist.
Ute
Peter Gabriel Guides Us Through New Album Scratch My Back
The Quietus , January 28th, 2010 (song introductions by Nige Tassell):
http://thequietus.com/articles/03628-peter-gabriel-on-new-album-scratch-my-back-review
The best-known song on Scratch My Back and therefore quite probably the bravest choice as the record’s opener, this Bowie anthem is slowed right down, in the process shorn of its confidence and swagger. But the melancholy begins to evaporate as the song progresses, the scurrying orchestrations raining down columns of sunlight by the close.
Peter Gabriel: “Heroes” for me was always one of the great Bowie tracks. It is heroism in the face of oppression and desperation; it’s something triumphant despite the desperate situation. We tried a few ways of looking at it and I wasn’t very happy, then I started manipulating some acoustic guitar samples until they became interesting, which gave me something to indicate to John [Metcalfe, Durutti Colmn, arranger/ producer] where I wanted to go with it. We had talked about such composers as Arvo Part and Steve Reich as inspiration, but when John came back with his first draft of the arrangement I was blown away and think it’s one of the best string arrangements of a rock song I have ever heard. For both of us, this gave us the confidence to be bold in the way in which we were going to approach the record. I think it’s beautiful because without any of the drive of guitar and drums which were so key to Bowie’s original, it builds an enormous tension that bursts open. For that reason I wanted it to start the record.
Evtl. schiebe ich AUF WUNSCH eine Übersetzung nach.
cimber
Nach mehrmaligem Anhören von “Heroes” muß ich dem 1.Satz aus BBQ-Master`s Kommentar zustimmen – jetzt empfinde ich es genau dasselbe – genau DAS ist der Moment der “Enladung”.
Thomas
Interessant, wie sich die Empfindunegn unterscheiden – die laute Stelle ist für mich genau der Moment, wo sich eine An- oder sogar Verspannung zwar am deutlichsten zeigt, aber wie ein Ausbruch oder gar eine Entladung – mit anschließendem befreit sein – fühlt sich das für mich nicht an.
cimber
Stimmt – es ist in der Tat kein “befreit sein” wie beispielweise bei den 3 songs, die ich oben erwähnte – und auch nicht unbedingt eine massive Entladung in dem Ausmaß.
Von der musikalischen Umsetzung her könnte man “Heroes” bildhaft auch mit einer aufgehenden Sonne vergleichen – in dem Moment, wo Peter LAUT singt, steht die Sonne am höchsten und strahlt auch am intensivsten, um dann wieder förmlich abzuklingen. . .