Erster Song-Austausch-Schnipsel hörbar
Am kommenden Samstag wird im iTunes Store die erste Single-Auskopplung des Song-Austausch-Projektes rund um Scratch My Back veröffentlicht. Die Single im “45er”-Format wird Peter Gabriels Interpretation von The Book Of Love enthalten, welches im Original von The Magnetic Fields stammt. Deren Frontmann Stephin Merritt wiederum hat sich Gabriels Klassiker Not One Of Us ausgesucht. Sobald beide Songs in iTunes zur Verfügung stehen, veröffentlichen wir hier den Promo-Download-Link.
Einen Vorgeschmack inklusive einiger Kommentare Merritt’s bekommt ihr auf petergabriel.com.
Update 30. Januar: Die Single ist jetzt bei iTunes erschienen und kann über diesen Link bestellt werden.
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Marcel
Wie findet ihr die Cover-Version von ‘Not One Of Us’?
shrineofbrian
Sehr originell und retromäßig gegen den Strich gebürstet! Stephin Merritts Beschreibung ist absolut zutreffend: Während PGs Song in den 80ern futuristisch klan, klingt seine Coverversion nach den 80er Jahren.
bbqmaster
“1981″ trifft es genau – in all seinen guten und schlechten Eigenschaften.
Ute
Mir hat’s gleich den Magen verdreht!
Aber warum soll’s mir beim ersten Hören dieses Covers besser gehen als Dir beim Debüt von SMB?
Ich kenne einiges von Merritt und den MFs; von daher bin ich es bei ihm gewohnt, mich an die Songs heran zu arbeiten.
“Not One Of Us” hat er in meinen Augen besonders hart (nämlich für meinen Geschmack eglig) eingepackt, aber es passt absolut zu ihm, zu dem, was er während der Snippets sagt und zu SMB allgemein, was da von Relevanz wäre:
1. Er ist “1981″ mit seiner Mutter nach England gereist und hat sich dort mit Platten eingedeckt, u.a. PG III. Von daher kennt er diesen Song. (Da müsste er so etwa 15 gewesen sein.)
2. Er möchte dem Song selbst keine Bedeutung (Ausdruck) geben, weil es nicht sein Song ist, aber er möchte der Musik eine Bedeutung geben.
3. (Wurde schon hier erwähnt)PG nutzt seine Version, um “seine Stimme zu präsentieren” (Merritt lässt dafür die teuflischen Zwerge singen), PGs Version klingt “futuristisch”, seine nach “1981″.
(Gegen Ende sagt er noch etwas, das für mich leider zu nuschlig klingt, um es zu verstehen.)
In Verbindung mit dem Cover sind das für mich recht klare Aussagen. Und ich sehe seine Version als eine Art Huldigung, vielleicht sogar eines seiner Vorbilder. Er kontrastiert Gabriels Song, hebt ihn dadurch positiv hervor. Und was letztendlich das Geniale daran ist: Wenn man das Cover unter diesen Voraussetzungen hört, verändert sich der Blickwinkel und der Sound verwandelt sich von “80ies-Schrott” in ein interessanntes Ausdrucksmittel, verliert dadurch seine negative Besetzung und plötzlich, wenn die “Vorurteile” praktisch abgelegt sind, hört sich’s doch ganz passabel an. Eine wundersame Verwandlung!
Und was im Zusammenhang von Gabriel an Kommentaren zu hören war, ist doch, dass er die gecoverten Songs von dem Sound, der die Zeit ihrer Entstehung (Aufnahme)festhält, befreien möchte. Merritt macht’s halt rückwärts.
(Gabriel sagt hier z.B. was darüber*: Sunday Times; 1/31/2010:
http://entertainment.timesonline.co.uk/tol/arts_and_entertainment/music/article7005265.ece )
Merritt sagt praktisch, dass Gabriel schon immer wusste, seine eigenen Songs vor dem Zahn der Zeit zu schützen und SMB von daher eine logische Konsequenz darstellt.
*aus: Peter Gabriel is back in the habit; Sunday Times;31.1.2010:
…Why not leave such obscure selections to indie bands or veteran covers specialists such as Rod Stewart? To liberate them from the aspic of their pop context, Gabriel says.
“A lot of songs come with a time stamp,” he explains. “I remember where I was when I first heard Hey Joe or Love Me Do. They become like sound traps, because pop introduced to songwriting the idea that sound was as important as the notes, the harmony and the rhythm. I wanted to let these songs speak, so I become personally minimal in their presentation. Left to my own devices, I tend to put layers on top, I fuss too much. So, early on with this, I decided to make rules. No drums or guitars. Just chamber instruments, keyboards and brass.”
Warum solche undurchsichtigen Auswahlen nicht Indie Bands oder spezialisierten Cover-Veteranen wie Rod Stewart überlassen? Um sie von der Sülze ihres Kontextes zum Pop zu befreien sagt Gabriel.
“Eine Menge Songs tragen einen Datums-Stempel” erklärt er. “Ich erinnere mich, wo ich war als ich das erste mal ‘Hey Joe’ oder ‘Love Me Do’ hörte. Sie werden zu Sound-Fängern(wohl im Sinne: Gebern), weil der Pop die Idee eingeführt hat, dass im Songschreiben der Sound genauso wichtig sei als die Noten, die Harmonie und der Rythmus. Ich möchte die Songs sprechen lassen, also halte ich mich in deren Präsentation zurück. Auf mich selbst gestellt, neige ich dazu, Schichten aufzutragen, ich mache zu viel Wirbel darum. Also habe ich hier früh beschlossen, mir Grenzen zu setzen. Kein Schlagzeug oder Gitarren. Nur Kammerorchester, Tasteninstrumente, Bläser.”
Ute
Ich habe in YouTube ein Merritt-”Not One Of Us”-Video gesichtet:
http://www.youtube.com/watch?v=zjsFuy5YdoA
Ich war von diesem Video sehr beeindruckt. Es passt übrigens zur Merritts “musikalischer” Auslegung dieses Songs wie die Faust auf’s Auge. Jeder Gedanke an “80ies-Schrott” ist aus meinen Hirnwindungen gewichen. Ich kann schon gar nicht mehr nachvollziehen, was mir vor ein paar Tagen an dieser Song-Version nicht gefallen hat. In Verbindung mit dem Video, erscheint mir inzwischen Merritts Version als “futuristisch”, während sich die inhaltliche Aussage in meinen Augen mit der Gabriels jetzt deckt, nur auf einer anderen Ebene. Gabriels Version ist die des Herzens und Merritts die des Realen, des Kopfes. Oder die innere und die äussere Realität. Wie mans nimmt.
Wenn sich das so fortführt, dann schwant mir was. Dann wäre Scratch my back nur ein Splitter oder Mosaikstein des gesamten Projektes, das sich eventuell wie eine Collage zusammenfügt. Ich habe alle bis auf einen Titel gehört, manche kenne ich recht gut, andere bisher überhaupt nicht. Es wird noch ein bisschen dauern, bis ich den Löwenanteil des Gehörten verdaut habe und ich werde mich in Zukunft auch ein bisschen mit den Texten beschäftigen in Hinblick auf die Ahnung, die ich hege. Aber möglicher Weise liegt dem Projekt ein Thema zu Grunde, das über das erklärte “Thema” (die Songs sollen ausserhalb des Pops für sich sprechen)weit hinaus geht. Boy in the bubble, Listening Wind, Apres Moi, “Heroes”, Not One Of Us sind grob gesagt Songs, die davon handeln, wie Menschen mit sich selbst und anderen umgehen. Daneben gibt es noch ein paar Songs, die von Gefühlswelten handeln (soweit bin ich noch nicht). Daraus lässt sich eventuell ein Thema ableiten. Ich habe eine gewisse Vorstellung davon,wohin das gehen könnte, kanns aber noch nicht vollends fassen, vielleicht so in die Humans Rights-Richtung, wer weiß? Wenn das wirklich so ist und dann auch so verstanden wird, kann dieses Projekt im Verlauf seiner Entfaltung wirklich ein Knaller werden.
cimber
da meine musikalischen Ursprünge als einfacher Fan und Hörer in den frühen 80ern liegen, habe ich mit dieser Version kein Problem – sie gefällt mir sogar – es ist ein sehr vertrauter sound und gut gemacht.
Es spiegelt den “zeitgemäßen” Sound von 1981 wieder – im Vergleich dazu wirkt “Peter Gabriel III/Melt” tatsächlich wie die “Zukunft” – ein Album, das man als “Alternative” bezeichnen kann.
cimber
es gibt einen excellenten neuen Fan-mix von “Not One Of Us” (Didibardian-mix)
http://www.petergabriel.com/news